|
Grundlage für das Kraps-Sicherheits-System
ist ein regulärer Hänger des bayrischen Herstellers WM
Meyer. In den baute der Entwickler sozusagen eine schwimmende Wanne
ein, die 275 Kilogramm wiegt und dank eines eigenen Gummilager-Bodenschwingsystems
Stösse und Vibrationen des Hängers auffangen soll. Die
Pferde, so sagt Kraps, stehen darauf ruhiger, reisen gelenkschonender
und stolpern beim Anfahren oder abrupten Bremsen nicht miehr so
unkontrolliert umher.
Ein kurzer Versuch auf zwei Beinen bestätigte die Aussage: Wenn
man reinspringt oder an den Stangen rüttelt, schwingt der Boden
deutlich unter den Füssen.
Zweiter Kandidat: ein fabrikneuer Hänger
HB 505 R von der britischen Firma Ifor Williams mit einer Parabelfederung,
wie sie bei LKWs gängig ist. Üblicherweise sind Hänger
mit Blattfedern und eventuell zusätzlichen Stossdämpfern
ausgerüstet.
Dritter Kandidat: ein drei Jahre alter Provan
vom französischen Hersteller Jean-Luc Fautras, ohne Stossdämpfer
mit Einzelradaufhängung.
Um die Stösse im Hänger während
der Fahrt zu messen, befestigte Dr. Falaturi je zwei seiner hochempfindlichen
Beschleunigungssensoren knapp über dem Boden an einem Hängerteil
(Eisenstange der Mitteltrennwand) sowie an beiden Vorderbeinen
von Redaktionspferd Jule. Mit einer Rate von 1000 Daten pro Sekunde
wurden die Bewegungen des Hängers sowie die der Pferdebeine
separat erfasst.
Die Lewitzerstute Jule stand auf der rechten Hängerseit, weil hier
Strassenunebenheiten (Gullys, Wellen im Asphalt) am stärksten sind.
Als Teststrecke diente ein 7.9 Kilometer langes Strassenstück, das
alle typischen Besonderheiten aufwies eine unebene, schlecht geteerte
Zufahrtstrasse zu Turnierplätzen; ein Stück gerader, ebener
Landstrasse, eine Berg- und Talfahrt sowie Kurven, Stops und merhfaches
Abbiegen.
Zugfahrzeug war ein Audi A 6 Avant Quattro. Der selbe Fahrer fuhr alle
Touren, um die Messungen so gut wie möglich zu standardisieren,
die Geschwindigkeit reichte vom Schrittempo bis 80 Stundenkilometer.
Die Messdauer betrug bei jedem Hänger 7 Minuten; zusätzlich
fuhr ein Tester im Hänger mit, um sein subjektives Fahrgefühl
mit den Messdaten vergleichen zu können.
Das wesentliche Ergebnis
der Messungen (Grafiken): Das Kraps-System hält keineswegs,
was es verspricht. Die Stösse und Vibrationen, die bei diesen
Versuchen auf das Pferd übertragen wurden, waren ganz im
Gegenteil stärker als bei konventionell gebauten Hängern.
Jule wurde in diesem System sozusagen am stärksten erschüttert
und musste am häufigsten gegenbalancieren. Es scheint also
nicht der richtige Weg, Schwingungen des Hängers durch ein
selbsttätig schwingendes System wegdämpfen zu wollen auch
wenn das in der Theorie erfolgversprechend wirkt.
Verblüffender Nebeneffekt: auf den mitfahrenden Testmenschen wirkte
das Kraps-System am komfortabelsten und ruhigsten. Die Messdaten hingegen
zeigen im Vergleich zu den anderen beiden Hängern deutliche Beschleunigungen
und ein wesentlich stärkeres Schwingen, was sich vorallem auf ebener
Landstrasse auswirkte.
Der ältere Fautras-Hänger (neue Modelle sind mit Stossdämpfern
ausgerüstet) vermittelte dem mitfahrenden Menschen deutliche Vibrationen
bei allen Geschwindigkeiten. Bei den Messdaten hingegen schnitt er sehr
gut ab. Das minimale Dauerbeben wirkte sich nämlich nicht auf das
Pferd aus, das hier ähnlich ruhig stand wie beim Ifor-Hänger.
Er zeigte bei den Messungen die geringste Beschleunigungsspitzen.
«Insgesamt war ich überrascht, welche deutlichen Unterschiede man
bei den Fahreigenschaften sieht», kommentierte Dr. Falaturi die Ergebnisse.
Noch etwas überraschte den Mess-Experten: «Die Beschleunigungen der
Hänger selbst lagen lediglich um 0,2 g, waren also sehr gering.»
Einzige Ausnahme bildete mit 2.0 g die Vollbremsung (Grafik) die übrigens
kein simulierter Notfall war, sondern wegen eines in einer Kurve zu schnell
entgegenkommendes Autos eingelegt werden musste.
Natürlich sind die Messreihen nicht mit einer wissenschaftlichen
Studie über zig Hängerfahrten mit unterschiedlichsten Pferden
zu vergleichen. Aber sie untermauern zwei Aspekte: Bei der Hänger-Bewertung
darf man sich nicht auf sein Gefühl verlassen und vom eigenen Wohlbefinden
auf das der Pferde schliessen. Zum anderen unterscheiden sich Pferdehänger
viel stärker in ihrem Fahrverhalten als bisher angenommen ihr
Schwingungsmuster ist offensichtlich ebenso individuell wie ein Fingerabdruck
oder der Bewegungslauf eines Pferds.
Anstoss genug für die Hersteller von Pferdehängern, um weitere
Messungen vorzunehmen, damit der optimal gefederte und gedämpfte
Hänger gebaut werden kann Kunden und Pferde werden es danken.
Ulrike Dobberthien
Quelle: CAVALLO 10/2000
Zurück
zu Informationen
|

WM Meyer
mit Kraps-Sicherheits-System
Leergewicht mit
Sicherheits-System 920 kg,
zulässiges Gesamtgewicht 2000 kg,
Aussenlänge 4.01 m,
Gummiboden, gummigefedert.

Ifor-Williams HB 505 R
Leergewicht 850 kg,
zulässiges Gesamtgewicht 2340 kg,
Aussenlänge 4,25 m,
Gummiboden, Parabelfederung.

Fautras Provan
Leergewicht 670 kg,
zulässiges Gesamtgewicht 2000 kg,
Aussenlänge 4.27 m,
Gummiboden, Einzelradaufhängung.

Das Kraps-System kann für jeden
handelsüblichen Hänger nachgerüstet
werden und sitzt wie eine schwimmende
Wanne im Innern. Die Messungen
zeigen, dass das System in der seit-
lichen Bewegung zwar ruhig liegt, dafür
aber Auf- und Ab-Bewegungen noch
verstärkt. Besonders bei Landstrassen-
fahrt nahmen die Schwingungen zu und
brachten das Pferd aus der Balance.
|