Ifor Williams (Switzerland) Ltd.   Ifor Williams (Switzerland) Ltd.
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Walter Kraps liess sich seinen Sicherheits-Anhänger mit einer schwimmenden Wanne patentieren. CAVALLO testete ihn mit einer ungewöhnlichen Messung.

Wie stark rüttelt ein Hänger während der Fahrt? Wie gut dämpft er Bodenwellen? Wie ruhig oder unruhig steht dabei das Pferd?
Die Fragen betreffen jeden Besitzer – schliesslich soll das eigene Pferd möglichst stressfrei unterwegs sein. CAVALLO veröffentlichte im August-Heft 2000 die Ergebnisse amerikanischer Studien, die feststellten, dass sich die Hänger-Stösse im Pferdekörper verstärken und den Tieren weit grösseren Stress verursachen als bisher angenommen. Auf den Bericht meldete sich der Bremer Karrosseriebauer Walter Kraps, der ein stossdämpfendes Sicherheits-System für Pferdehänger entwickelt und zum Patent angemeldet hatte, und bot es für einen Versuch an.
Die Redaktion startete deshalb mit dem Biologen Dr. Parvis Falaturi (er entwickelte ein komplexes Schwingungs-Messsystem, über das CAVALLO zuletzt in Ausgabe 1/1999 berichtete) einen Vergleichstest: Kraps Hänger gegen zwei konventionell gebaute Hänger.
 

Grundlage für das Kraps-Sicherheits-System ist ein regulärer Hänger des bayrischen Herstellers WM Meyer. In den baute der Entwickler sozusagen eine schwimmende Wanne ein, die 275 Kilogramm wiegt und dank eines eigenen Gummilager-Bodenschwingsystems Stösse und Vibrationen des Hängers auffangen soll. Die Pferde, so sagt Kraps, stehen darauf ruhiger, reisen gelenkschonender und stolpern beim Anfahren oder abrupten Bremsen nicht miehr so unkontrolliert umher.
Ein kurzer Versuch auf zwei Beinen bestätigte die Aussage: Wenn man reinspringt oder an den Stangen rüttelt, schwingt der Boden deutlich unter den Füssen.

Zweiter Kandidat: ein fabrikneuer Hänger HB 505 R von der britischen Firma Ifor Williams mit einer Parabelfederung, wie sie bei LKWs gängig ist. Üblicherweise sind Hänger mit Blattfedern und eventuell zusätzlichen Stossdämpfern ausgerüstet.

Dritter Kandidat: ein drei Jahre alter Provan vom französischen Hersteller Jean-Luc Fautras, ohne Stossdämpfer mit Einzelradaufhängung.

Um die Stösse im Hänger während der Fahrt zu messen, befestigte Dr. Falaturi je zwei seiner hochempfindlichen Beschleunigungssensoren knapp über dem Boden an einem Hängerteil (Eisenstange der Mitteltrennwand) sowie an beiden Vorderbeinen von Redaktionspferd Jule. Mit einer Rate von 1000 Daten pro Sekunde wurden die Bewegungen des Hängers sowie die der Pferdebeine separat erfasst.
Die Lewitzerstute Jule stand auf der rechten Hängerseit, weil hier Strassenunebenheiten (Gullys, Wellen im Asphalt) am stärksten sind. Als Teststrecke diente ein 7.9 Kilometer langes Strassenstück, das alle typischen Besonderheiten aufwies – eine unebene, schlecht geteerte Zufahrtstrasse zu Turnierplätzen; ein Stück gerader, ebener Landstrasse, eine Berg- und Talfahrt sowie Kurven, Stops und merhfaches Abbiegen.
Zugfahrzeug war ein Audi A 6 Avant Quattro. Der selbe Fahrer fuhr alle Touren, um die Messungen so gut wie möglich zu standardisieren, die Geschwindigkeit reichte vom Schrittempo bis 80 Stundenkilometer. Die Messdauer betrug bei jedem Hänger 7 Minuten; zusätzlich fuhr ein Tester im Hänger mit, um sein subjektives Fahrgefühl mit den Messdaten vergleichen zu können.

Das wesentliche Ergebnis der Messungen (Grafiken): Das Kraps-System hält keineswegs, was es verspricht. Die Stösse und Vibrationen, die bei diesen Versuchen auf das Pferd übertragen wurden, waren ganz im Gegenteil stärker als bei konventionell gebauten Hängern. Jule wurde in diesem System sozusagen am stärksten erschüttert und musste am häufigsten gegenbalancieren. Es scheint also nicht der richtige Weg, Schwingungen des Hängers durch ein selbsttätig schwingendes System wegdämpfen zu wollen – auch wenn das in der Theorie erfolgversprechend wirkt.
Verblüffender Nebeneffekt: auf den mitfahrenden Testmenschen wirkte das Kraps-System am komfortabelsten und ruhigsten. Die Messdaten hingegen zeigen im Vergleich zu den anderen beiden Hängern deutliche Beschleunigungen und ein wesentlich stärkeres Schwingen, was sich vorallem auf ebener Landstrasse auswirkte.
Der ältere Fautras-Hänger (neue Modelle sind mit Stossdämpfern ausgerüstet) vermittelte dem mitfahrenden Menschen deutliche Vibrationen bei allen Geschwindigkeiten. Bei den Messdaten hingegen schnitt er sehr gut ab. Das minimale Dauerbeben wirkte sich nämlich nicht auf das Pferd aus, das hier ähnlich ruhig stand wie beim Ifor-Hänger. Er zeigte bei den Messungen die geringste Beschleunigungsspitzen.
«Insgesamt war ich überrascht, welche deutlichen Unterschiede man bei den Fahreigenschaften sieht», kommentierte Dr. Falaturi die Ergebnisse. Noch etwas überraschte den Mess-Experten: «Die Beschleunigungen der Hänger selbst lagen lediglich um 0,2 g, waren also sehr gering.»
Einzige Ausnahme bildete mit 2.0 g die Vollbremsung (Grafik) – die übrigens kein simulierter Notfall war, sondern wegen eines in einer Kurve zu schnell entgegenkommendes Autos eingelegt werden musste.
Natürlich sind die Messreihen nicht mit einer wissenschaftlichen Studie über zig Hängerfahrten mit unterschiedlichsten Pferden zu vergleichen. Aber sie untermauern zwei Aspekte: Bei der Hänger-Bewertung darf man sich nicht auf sein Gefühl verlassen und vom eigenen Wohlbefinden auf das der Pferde schliessen. Zum anderen unterscheiden sich Pferdehänger viel stärker in ihrem Fahrverhalten als bisher angenommen – ihr Schwingungsmuster ist offensichtlich ebenso individuell wie ein Fingerabdruck oder der Bewegungslauf eines Pferds.
Anstoss genug für die Hersteller von Pferdehängern, um weitere Messungen vorzunehmen, damit der optimal gefederte und gedämpfte Hänger gebaut werden kann – Kunden und Pferde werden es danken.
Ulrike Dobberthien

Quelle: CAVALLO 10/2000

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WM Meyer
WM Meyer
mit Kraps-Sicherheits-System

Leergewicht mit
Sicherheits-System 920 kg,
zulässiges Gesamtgewicht 2000 kg,
Aussenlänge 4.01 m,
Gummiboden, gummigefedert.

Ifor Williams HB 505 R
Ifor-Williams HB 505 R
Leergewicht 850 kg,
zulässiges Gesamtgewicht 2340 kg,
Aussenlänge 4,25 m,
Gummiboden, Parabelfederung.

Fautras Provan
Fautras Provan
Leergewicht 670 kg,
zulässiges Gesamtgewicht 2000 kg,
Aussenlänge 4.27 m,
Gummiboden, Einzelradaufhängung.

Kraps-Sicherheits-System
Das Kraps-System kann für jeden
handelsüblichen Hänger nachgerüstet
werden und sitzt wie eine schwimmende
Wanne im Innern. Die Messungen
zeigen, dass das System in der seit-
lichen Bewegung zwar ruhig liegt, dafür
aber Auf- und Ab-Bewegungen noch
verstärkt. Besonders bei Landstrassen-
fahrt nahmen die Schwingungen zu und
brachten das Pferd aus der Balance.